Geschichte

Etwas zu der Geschichte der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg und des Stammes.

Für viele ist die Entstehungsgeschichte der Pfadinder und unseres Stammes weitgehend unbekannt. Daher habe ich mir die Mühe gemacht, einen (hoffentlich richtigen und alle wichtigen Ereignisse nennenden) Überblick zu erstellen.

Der Gründer der internationalen Pfadfinderbewegung, Baden-Powell, veröffentlichte 1908 sein Leitwerk zu den Pfadfindern “Scouting for boys”. Die Ideen in seinem Buch führten zu der sehr schnellen Ausbreitung des Pfadindergedankens, was schon 1909 zu der Gründung vieler Pfadfindergruppen im Deutschen Reich führte. Hier wurde der pfadfinderische Gedanke aus den Ideen zur Jugendarbeit, erweitert mit den Ideen von Baden-Powell gesehen. So gab es vor dem Ersten Weltkreig im Deutschen Reich schon rund 100 000 Pfadfinder, welche aber noch in vielen Gruppen mit unterschiedlichen pfadfinderischen Ansätzen organisiert waren.

Die Idee einen katholischen Pfadfinderverband zu gründen, kam erstmals 1912 auf, scheiterte allerdings an der Skepsis der Verantwortlichen. Diese trauten der pfadfinderischen Idee aufgrund der straffen Organisation nicht zu, den Glauben ausreichend zu vertreten. Nach dem Ersten Weltkrieg war aber auch von den ‘weltlicheren’ deutschen Pfadfindergruppen nicht mehr viel zu berichten. Es blühte nun die Jugendbewegung mit den Idealen des eigenständigeren Lebens und Handelns sowie der Naturverbundenheit auf. Im Laufe von 20 Jahren orientierten sich katholische Jugendgruppen an diesen Ideen und gründeten dann auf die pfadfinderische Idee besinnend erste katholische Pfadfindergruppen. Die ersten Pfadfindergruppen entstanden in Wuppertal, München, Berlin und Speyer (soweit ich das herausbekam). Diese Gruppen lernten durch Auslandsaufenthalte in Luxemburg und Frankreich die jeweiligen Verbände kennen und schätzen. 1928 fand dann auch in Rudzintz das erste gemeinsamme Zeltlager der deutschen katholischen Gruppen statt. Hier wurde am 9. Juli 1928 der Verband “Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) mit rund 860 Mitgliedern gegründet und am 7. Oktober 1928 in den Dachverband der katholischen Verbände, in den “Katholischen Jungmännerbund” aufgenommen. Zwei Jahre später wurde die DPSG als vollwertiges Mitglied im “Katholischen Jungmännerbund” bestätigt. Bis 1933 stieg die Mitgliedszahlen auf rund 10.000.

Durch die Machtergreifung der NSDAP ging es dann aber steil bergab. Schon im gleichen Jahr verbot die Regierung den Pfadindern die Teilnahme am Welt-Jamboree in Ungarn. Nun begannen zunehmend Repressalien, wie Verbote des gemeinsamen Auftretens oder Tragen von Kluft und Zeichen der Pfadfinder. Hierdurch lösten sich Pfadfindergruppen auf oder gingen in der Hitlerjugend auf. Dennoch gab es noch lange Veranstaltungen, wie Läger (die waren auch Verboten) oder 1935 eine Wallfahrt nach Rom. Die deutschen Teilnehmer wurden auf der Rückfahrt schon von der Gestapo erwartet. Diese Repressalien hatten den Zweck, die ‘freien’ Jugendverbände aufzulösen und die freiwerdenen Jugendlichen durch die Hitlerjugend zu binden. Da aber viele Verbände den Gefallen der Selbstauflösung nicht taten, löste 1937 die Gestapo einzelne Landespfadfinderschaften (z. B. Münster und Paderborn) auf. Um die Auflösungswelle noch etwas zu bremsen, beschloss die Verbandsvertretung der DPSG die Ersetzung von “Pfadfinder” durch “Gemeinschaft” im Namen. Aber auch die “Gemeinschaft St. Georg” existierte nicht lange und wurde am 6. Februar 1939 durch das bekannte “Gesetz zum Schutze von Volk und Staat” verboten.

Dennoch trafen sich viele Mitglieder heimlich und führten die Idee der Pfadfindertums weiter. Hierbei waren sie ständig in Gefahr entdeckt zu werden und inhaftiert zu werden. Das ging soweit, daß Stammesführer wegen ‘Führung einer verbotenen Organisation’ zu Zwangsarbeiten verurteilt wurden und im Lager Auschwitz starben.
Nach dem Krieg wurde sofort mit dem Wiederaufbau der katholischen Pfadfinderbewegung begonnen und schon 1946 fand das erste überdiözesanes Treffen statt, dem die erste Bundesversammlung folgte. Auf dieser Versammlung wurde Bundesordnung entworfen und beschlossen. 1948 durfte der Name wieder in ‘Pfadfinderschaft Stankt Georg’ geändert werden. Vorher hatten die Aliierten noch zu große Bedenken bei dem Wort ‘Pfadfinderschaft’. Nun ging es rasch mit den Gruppenzahlen und Mitgliederzahlen bergauf und schon 1950 hatte die Pfadfinderschaft Stankt Georg wieder über 26.000 Mitglider. Zwei Jahre später durften die Deutschen Mitglieder auch wieder an World-Jamboree bei Bad Ischerl teilnehmen.
Die internationalen Kontakte waren erst dann wieder voll aufgenommen worden, da die Pfadfinder noch lange die anderen Länder an die Hitlerjugend erinnerte. Hierbei waren die Niederländer am schnellsten und unkompliziertsten: Schon 1947 wurden erste Kontakte zu den Deutschen gepflegt. In diesem Jahr (1951) wurden auch erstmals Frauen in den Verband aufgenommen, allerdings nur als Wölflingsleiterinnen.
Durch die nun einsetzende Ausbildung der Leitungskräfte wurde die Quallität gehoben und es setzte eine Breite Diskussion über das zeitgmäße Bild über den Pfadfinder ein. Der Informationsfluß nahm zu und um die gestigenen Anzahl von Druckschriften günstig zu produzeren wurde der Georgs-Verlag gegründet. Dieser Verlag ist noch heute der hauseigene Produzent der Mitgliederzeitschriften.
Ende der 50′ Jahre rückte durch den Wandel die soziale Komponente mehr in den Mittelpunkt. So wurde nun auch Freizeiten für Behinderte angeboten. Die Finanzierung dieser kostspieligen Freizeiten wurde durch eine 1961 durchgeführte Jahresaktion bewerkstelligt. Die Jahresaktion, die den Namen ‘Flinke Hände, flinke Füße’ hatte, brachte 260.000 DM ein. Durch diesen Erfolg ermutigt entschloß man sich die eigentlich einmalige Aktion zu einem ständigen Projekt zu erweitern. So wird noch heute jährlich für eine bundesweite Aktion gesammelt.
Weniger schön waren die Entwicklungen bei den Mitgliederzahlen. So stieg die Zahl der Mitglieder in den 50′ Jahren um dann in den 60′ Jahren zu stagnieren. Dies lag an daran, das die Jugendlichen stärker politischen Themen widmeten. Dazu kam eine Abwendung von kirchlichen Aktionen. Eine Änderung trat erst in den 70′ Jahren durch Änderungen in der Bundesordnung auf.
Ebenso wurde nun der erste Referent für Öffentlichkeit eingestellt, denn man war sich im klaren darüber, daß es wichtig ist wie das Bild der Pfadfinder in der Öffentlichkeit aussieht. So wollte man von dem Bild des ‘typischen’ Pfadfinders weg, der politisch und sozial desinteressiert und nur in der Natur rumläuft. 1968 fordeten die Teilnehmer bei einem Treffen in Westernohe verstärkte politische und soziale Bildung sowie mehr Mitbestimmungsrecht im Verband. Diese Tendenzen spiegelten auch die Themen der Rover und Leitungskongresse wieder. So wurde über “Frieden und Gerechtigkeit” und “Der nächste Krieg geht um das Brot” diskutiert. Durch diesen Wandel in der Aufgabensetzung wurden die Pfadfinder für Jugendliche wieder Atraktiver und neue Mitglieder wurden gewonnen. Allerdings schieden auch Mitglieder aus, die sich mit dem ‘traditionellem’ Aufgaben identifiziert hatten und nun enttäuscht waren. 1969 wurde auch die Sprache reformiert: Aus Bundesthing wurde Bundesversammlung, die Feldmeister waren nun Vorsitzende, die Führer waren jetzt Leiter, aus Gaue wurden Bezirke und Länder waren nun Diözesen.
Die große Wende zu einem wachsenden Verband war aber die Aufnahme von Mädchen in den Verband, zunächst inoffizell und meist bei den Roverrunden und dann ab 1971 offizell und in allen Stufen. Koedukation war das große Wort. Hierzu eine Stellungnahme der Bundesversammlung: “Sie (Koedukation) übt praktische Zusammenarbeit (beider Geschlechter) und trägt dazu bei, früh entstandene Klischeevorstellungne über die soziale Geschlechterrolle abzubauen oder nicht entstehen zu lassen.” Das der Verband bis Ende der 70er Jahre so viele Mitglieder gewann lag aber nicht nur an der (für seine Zeit) revulutionären Schritt, sondern auch der Verband vollzog einen großen Wandel. So hieß es auch “Pfadfinder, ein anderer Weg” zum 50-jährigen bestehen des Verbandes.
Dieses Thema ist auch noch heute treffend für die Pfadfinder. So lernt man in allen Stufen soziale Fähigkeiten, von den Jüngsten bis zu uns Leitern. Und genau das ist doch mittlerweile auch im Berufsleben wichtig geworden (Oder wo hat man schon die Chance, Fahrten oder Aktionen zu planen und durchzuführen oder Führungsfähigkeiten zu erlangen).
Weitere Informationen über Inhalt und Aufgaben der DPSG.

Geschichte des Stammes Kattwiga

Wie jede Stammesgründung bei der DPSG wurde erst eine Siedlung gegründet. Während der Siedlungszeit September 1980 bis März 1984 wurden die Stammesstrukturen (z.B. die jeweiligen Stufen) aufgebaut. Diese Siedlung wurde dann noch von Peter Roos, einem Leiter vom Bezirk, betreut. Den Anfang machten Gerd Schäfer, Jürgen Svidowski, Stefan Kläsener und Jo Ruland (weitere konnten wir nicht ausmachen), einer Wölflingjungenstufe mit Alex Hoestermann und Stefan Markus sowie einer Jufi-Jungenstufe.
Weitere Daten:

  • 1980 - erstes Lager in Ratingen-Hetterscheid
  • Sommer 1981 - erstes Versprechen (hinter dem Kindergarten St. Mathias
  • Febr. 1982 - Gründung der Pfadfinderstufe
  • 04.März 1982 - erste Stammesversammlung: Michael Aldik wird der erste Vortsitzende des Stammes, Pastor Steinberger ist der erste Kurat
  • Okt. 1982 - erste Mädchen im Stamm, geleitet von Kristina Michalowski und Sabine Schäfer
  • Juni 1982 - erste Altpapiersammlung
  • 1982 - erster Woodbagekurs von Gerd Schäfer und Frank Dressler
  • 1983 - Gründung der Jufi-Mädchengruppe mit Anette Bauer
  • 01.Mai 1983 - zum ersten Mal wird das Altenberger Licht von den Pfadfindern in die Gemeinde getragen
  • März 1984 - Stammesanerkennung
  • Sept. 1985 - Gründung der Wölflings-Mädchengruppe

Hiermit danke ich Sabine W. und Torben, daß Sie das Heft zu unserem Stammesjubiläum erstellt haben. Aus diesem stammen die Daten bezüglich unseres Stammes. Das Heft ist so gut und Informativ, daß ich am liebsten alles ins Internet stellen würde, was aber aus Zeit und Platzgründen nicht möglich ist.
Wenn ihr den Text Aufmerksam durchgelesen habt, werdet ihr festgestellt haben, daß anfänglich überwiegend von ‘Boys’ und ‘Jungmännerbund’ die Rede ist. Das liegt daran, das erst 1971 die DPSG die Aufnahme von weiblichen Mitgliedern beschloss. Bis dahin war in Deutschland den Jungen die Mitgliedschaft vorbehalten. In einigen Ländern ist es übrigens durchaus üblich, das Mädchen und Jungen strikt getrennte Gruppen haben. (Wenn Mädchen überhaupt als Mitglieder aufgenommen werden.)